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Titel

Abt Hagano war ein frommer Mann, jedoch so allein in den weiten Räumen des Klosters von Dammersfelde. Beunruhigt von den Geistern der ruhelosen Mönche wollte ihm der Aufenthalt nicht mehr länger be-hagen. Und so bat er den Kaiser, ein neues Kloster gründen zu dürfen. Unweit von Dammersfelde erhob sich alsbald das schlichte Gebäude des Klosters Hagenrode. Ernste Männer sammelten sich um Hagano und sie feierten den Gottesdienst in geweihten Klosterräumen, rein und ursprünglich wie er sein musste. Beglückt genoss Hagano das neue Leben hinter gottgeweihten Mauern. War er doch in der altgewohnten, lieben Gegend.

Er fühlte, dass nun seines Lebens schönste Zeit angebrochen war, denn vollkommene Zufriedenheit ist der Abschluss eines gesegneten, irdischen Lebens. Während das Leben des Tatenlosen und Gedankenlosen im Wechsel der Tage vorbei rauscht, ohne es zu bemerken, so erkennt doch der Tatkräftige und Gottesfürchtige, wenn sein höchstes Glück ihn auf die oberste Sprosse der Lebensstufe führt. Ihm ist nachher der Tod ein Hinübergleiten in das rechte Dasein, in das kummerlose Leben der Wahrheit und Klarheit.

Einsam wanderte Hagano in dem geliebten Wald. Die Bäume rauschten leise. Ihm klang es wie ein Wiegenlied. Seine ferne Jugend unter fremden Leuten, sein Jünglings- und Mannesleben voll Kreuz und Kampf, voll Not und Entsagung, zogen an ihm vorüber. Fremde Länder und Städte sah er im Geiste. Er war weit umher gekommen, über Länder und Meere. Fremd und einsam hatte er sich gefühlt, trotz lauter froher Umgebung. Sein sinniges Gemüt war untauglich gewesen für Turniere und Waffenlärm und doch hatte sein hoher Rang als kaiserlicher Vetter ihn stets vorwärts gedrängt auf wilder Kriegsbahn. Einsam war er jetzt hier, in der viel geliebten Waldesstätte; er konnte grübeln und träumen, sah die Allmacht seines Gottes. Er konnte ihm dienen, wie er es wünschte, konnte unter Gleichgesinnten leben und sterben. Auf einem Mooshügel ruhte sich Hagano von seiner Wanderung aus. Er fühlte kaum des Körpers Alter, fühlte weder Schmerz noch Kummer, denn leicht und frei war seine Seele. Ringsum schaute er in das Tannengrün, in die rauschenden Blätter der Buchen und Eichen. Träumend schwang seine Seele sich auf. Rotglühende Abendrotsäulen trugen die Träume aufwärts, dem Himmel entgegen. Geöffnet waren die weiten Hallen des Himmels und in hellem Licht konnte Hagano den Gottesthron erblicken. Die Jungfrau Maria, die himmlischen Scharen, die geöffneten Arme des Heilands sah der Entzückte.

Er spürte, dass sein Ende nun bevor stand, doch noch einmal kehrte die Seele zurück. Mit letztem Blick sah Hagano in die heimische Gegend. Und so, wie ein Vater sein Kind segnet, so breitete er die Arme aus und rief: "Ich diente Dir in Treue, Maria, Gottesmutter! Gib eine Gnade mir, nur die eine, dann nimm mich auf zu Dir! Hier diese Täler, dieser Wald, sie gaben mir Ruhe und Versöhnung in mein weltmüdes Herz. Segne sie mit mildem Himmelssegen. Gib Kräfte den Quellen die hier sprudeln, Kräfte den Kräutern die ringsum sprießen, Kräfte den Düften der Blumen und Bäume, dass sie heilen mögen die Schwächen und Gebrechen der leidenden Menschenbrüder! Lass sie pilgern zu diesem Tal aus der Not der Welt und lass sie Heil und Rettung finden noch in den fernsten Zeiten! Deinen Segen, Du höchst Heilige! Deinen Segen, Jungfrau Maria!". Und so flog Haganos Seele auf in den offenen Himmel befreit von aller Erdennot.

Grafik zur Sage von Lisa Berg

Die heilige Maria aber erfüllte die Bitte des Sterbenden. Die Erde öffnete sich, neue Quellen entstiegen dem felsigen Waldboden und mit leisem Gemurmel ergoss sich das Wasser, als wollte es plaudern von frohen Tagen und kommender Hilfe für die Kranken. Als die Mönche ihren geliebten Abt am Abend im dunklen Wald suchten, fanden sie ihn friedlich entschlafen mit seeliger Miene auf der Moosbank.
Die Klostermauern sind seitdem längst zerfallen, nur wenige Reste noch erzählen von einer alten Zeit. Die Klostermühle ist noch da, sie hat geplaudert und geplappert die langen Jahrhunderte hindurch. Wer hat's verstanden? Gewiss hat sie viel gewusst. Doch der Segen des sterbenden Abtes blieb der Waldstätte unverloren. Noch heute rauschen die wundertätigen Quellen der leidenden Menschheit zum Wohle. Du kennst sie auch; sie heißen "Alexisbadquellen".

gezeichnet von Lisa Berg

 
Sagen, Mythen und Legenden aus dem Harz, Bd. 1
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor + Zeichnungen)
Sagen, Mythen und Legenden - Band 1Mythen, Sagen und Legenden prägen den Harz wie kaum etwas anderes, wir begegnen ihnen auf Schritt und Tritt. Sie berichten von geschichtlichen Ereignissen oder einfach nur vom Leben der Menschen. Sie entstanden zu Zeiten, wo Schreiben und Lesen Adel und Kirche vorbehalten waren. Darum wurden sie mündlich überliefert, von Generation zu Generation.

Wir haben sie gesammelt, ihnen ein modernes Kleid geschneidert und sie farbig illustriert. Um sie zu erhalten und weiter zu überliefern, denn leider sind Erzählstunden nicht mehr all zu modern. Vielleicht gefallen ihnen ja unsere Harzer „Geschichten“ aus alter Zeit und sie erzählen sie ihren Kindern und Enkeln weiter?

Gebundene Ausgabe: 29,90 €
148 Seiten mit 59 farbigen Illustrationen

Taschenbuch: 14,99 €
148 Seiten mit 59 schwarz-weiß Illustrationen

 
 
   

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