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Titel

In Zellerfeld gab es einmal zwölf üble Räuber, die den ganzen Oberharz unsicher gemacht hatten. Viele ehrliche und anständige Harzer sollen von ihnen um den ganzen Besitz gebracht und einige sogar auf grausame Weise ermordet worden sein. Elf von ihnen sollen in der Wegsmühle bei Zellerfeld ein grausiges Ende gefunden haben und dass durch die Hand einer mutigen Dienstmagd. Und das geschah so!
Eines Abends kam ein Fremder zur Wegsmühle, der trug einen großen Sack voll Hede. Er bat den Sack im Kuhstall der Mühle abstellen zu dürfen, da er noch mehrere Geschäfte in der Gegend zu erledigen hatte. Diesem Begehren wurde dem Mann vom Müller stattgegeben.

Grafik von Lisa BergDann ging der Müller mit seiner Frau aus und die fleißige Magd ging in den Kuhstall, um die Tiere zu melken.

Da sah sie plötzlich, wie sich der abgestellte Sack zu bewegen begann. Schnell rannte sie ins Haus, holte die Flinte des Müllers und als sich der Sack wieder zu bewegen begann, feuerte sie auf ihn. Ein entsetzliches Klagegeschrei setzte ein, dann durchstieß ein langes, scharfes Messer den Sack von innen und ein bluttriefender Mann kroch aus dem Sack. Dem Tode nahe, berichtete er noch, dass draußen seine zehn Brüder auf sein Zeichen warteten. Auf das Signal mit seiner Pfeife hin, wollten sie durch die Klappe neben der Mühlwelle eindringen und die Mühle ausrauben. Dann brach der Räuber aus dem Sack tot zusammen.

Die Magd überlegte nicht lange, sie nahm das große Messer des toten Räubers, stellte ihre Lampe neben die Klappe, öffnete diese und gab das Signal. Kurze Zeit später steckte der erste Räuber seinen Kopf durch die Klappe. Die Magd griff ihm ins Haar und schnitt ihm so rasch und geschickt die Kehle durch, dass er keinen Laut mehr von sich geben konnte. Dann zog sie ihn durch die Klappe herein. So folgten alle neun anderen Brüder, einer nach dem anderen und keiner konnte mehr einen Laut ausstoßen und seine Hintermänner warnen. 

Kurze Zeit später kam der Wirt mit seinem Weib nach Hause. Als sie sahen, was geschehen war, erschraken sie gewaltig, aber sie waren auch sehr froh, dass alles für sie so gut ausgegangen war. Sie lobten und belohnten die tapfere Magd und nahmen sie als eigenes Kind an.

Der Müller war reich und angesehen und ihre neue Tochter, die Magd, ein sehr schönes Mädchen. So war es nicht verwunderlich, dass sich bald zahlreiche Freier einstellten. Unter denen war auch ein vornehmer Stadtherr. Er hatte eine große Ähnlichkeit mit den elf toten Räubern, aber das bemerkte keiner. Auch nicht die Mädchen, das seinem Werben Gehör schenkte und einwilligte ihn in die Stadt zu begleiten, um sein Haus in Augenschein zu nehmen. Sie stieg mit ihm in eine Kutsche und als sie einen dichten Wald durchquerten, bog der Wagen plötzlich vom üblichen Weg ab. Das Mädchen bemerkte das sofort, ließ sich aber nichts anmerken und verbarg ihre Angst geschickt.

Dann kamen sie an einen Berghügel und eine versteckte Falltür öffnete sich. Eine alte Frau saß vor dem Tore in der Sonne, erhob sich als die Kutsche vorfuhr und begrüßte die Ankömmlinge sehr freundlich. Das Mädchen ahnte jetzt, wo es war und sie wusste auch, dass sie nur mit viel List und Klugheit unbeschadet aus dieser Situation herauskommen konnte. Zusätzlich kam ihr ihre blendende Schönheit zu gute. Schon nach wenigen Tagen hatten der Räuber und seine Mutter ihr Vorhaben, das Mädchen zu ermorden, vergessen und wurden ihr sehr vertraut. Das Mädchen nutzte diese Vertrautheit und als eines Tages der Räuber sich zum Mittagsschlaf legte, nahm sie sein großes Messer und schnitt auch ihm, wie seinen elf Brüdern, die Kehle durch. Dann eilte sie, so schnell sie ihre Füße trugen, zur Mühle zurück. Der Müller berichtete dem Amtmann und dem Gerichtsdiener und die holten die Mutter der Räuber ab und veranlassten ihre Hinrichtung.

In der geheimen Höhle fand man auch gewaltige, geraubte Schätze. Die Hälfte aller Schätze wurde dem Mädchen für ihren Mut und ihre Tatkraft zuerkannt, die andere Hälfte wurde an ihre früheren Besitzer zurückgegeben. Die ganze Gegend von Zellerfeld war von da an von der Räuberplage befreit. Befreit war aber auch das reiche und hübsche Mädchen von allen Freiern! Dann welcher Mann will schon eine Frau haben, die 12 Männern die Kehle durchgeschnitten hat? Sicher kein angenehmer Gedanke, der zum sorglosen Einschlafen einlädt. 


gezeichnet von Lisa Berg

 
Sagen, Mythen und Legenden aus dem Harz, Bd. 3
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor + Zeichnungen)
Sagen, Mythen und Legenden - Band 3Unser dritter Band „Sagen, Mythen und Legenden“ unternimmt, wie seine Vorgänger, eine literarische Reise quer durch die Harzregion. Auch diesmal wird wieder von den Menschen der Region, von geschichtlichen Ereignissen, von der vielschichtigen Landschaft und von unerklärlichen Ereignissen und Begegnungen erzählt. Wir möchten bei der Lektüre Ihre Phantasie noch mehr anregen, denn die ist bei Sagen ein unentbehrliches Instrument. Daher hat die Illustratorin, nach Möglichkeit, die jeweiligen Handlungsorte, seien es Gebäude, Felsformationen o.a. in den Illustrationen noch intensiver bildlich dargestellt. Lassen Sie sich erneut entführen in eine alte, längst vergangene Zeit und freuen Sie sich schon auf den nächsten Band.
Gebundene Ausgabe: 29,90 €
148 Seiten mit 47 farbigen Illustrationen

Taschenbuch: 14,99 €
148 Seiten mit 47 schwarz-weiß Illustrationen

 
 
   

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