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Titel

Wenn ich, so erzählte mir neulich eine Blankenburgerin, in meiner Jugend mit meinen Geschwistern durch den Wald streifte, kamen wir oftmals in die Nähe der Obermühle. Dort saß meist der alte weißbärtige Müller auf der Bank vor dem Hintereingang. Er erzählte uns viel von Blankenburgs vergangenen Tagen, von Herzog Rudolfs lustigem Hofstaat und der Prinzessin, die einen russischen Prinzen geheiratet hatte.

Aber der alte Mann sagte, das ist alles nicht so lange her, wie die Geschichte von seinem Urahn. Dem verdanken es die Blankenburger, dass sie Trinkwasser haben. Der hatte diese Mühle in Pacht und sein Bruder hatte die Untermühle. Der Untermüller hatte genug Arbeit, aber er gönnte keinem Menschen etwas und war darum neidisch auf den Bruder, der seiner Meinung nach mehr verdiente als er. Hatte er nicht genug Wasser, dann behauptete er einfach, sein Bruder hätte es abgestellt und umgeleitet, darum habe er nichts. Ständig nörgelte er am Obermüller herum und beschimpfte ihn.

So entwickelte sich eine erbitterte Feindschaft und Brotneid. Zuletzt wurde es so schlimm, dass der eine dem anderen Schaden zufügte, wo er konnte. Eines Tages bekam der Untermüller einen großen Auftrag. Er brauchte also viel Wasser. Ohne lange zu überlegen ging er mit einer Hacke zum Mühlenteich des Obermüllers, um dort den Abfluss zu vergrößern, damit das Wasser schneller zu seiner Mühle fließen konnte. Er war gerade in voller Arbeit, als der Obermüller dazu kam und ihm Vorwürfe machte, auf seinem Grund und Boden und ohne Erlaubnis den Abfluss zu vergrößern.

Der andere war nicht faul im Antworten und so verwickelten sie sich in einen handfesten Streit, ja sogar vor einer Prügelei schreckten die Brüder nicht zurück. Plötzlich erhob der Untermüller wie von Sinnen die Hacke und erschlug den Bruder. Kurze Zeit später saß der Brudermörder im Gefängnis, verurteilt zum Tode durch den Strang. Sein Zellengenosse war ein Bergmann, der auch auf den Galgen wartete. Der Müller zeigte bald Reue und jammerte den ganzen Tag nur herum.

Er habe so Sehnsucht nach seiner Familie und seine Tat tue ihm so leid. Wie gern würde er sich um seines Bruders Witwe kümmern, noch besser, wie gern würde er alles wieder rückgängig machen. Doch er wusste es war zu spät. Er wollte einfach etwas Gutes tun.
 

Grafik von Lisa Berg

Der Bergmann allerdings bereute überhaupt nichts, er war verbittert und hasste alle Menschen, vor allem seine Mitbürger. „Wenn die wüssten" sagte er, „was ich Gutes tun könnte, die würden mich gleich laufen lassen. Doch ich tue keinem etwas Gutes". Tag für Tag redete der Bergmann davon, so dass der Müller aufmerksam wurde und den Bergmann nach dem Sinn dieser Andeutungen fragte. Die Einsamkeit macht gesprächig. Der Bergmann konnte dann doch nicht widerstehen und sagte, mit der Wassernot der Blankenburger wäre es zu Ende, wenn er reden würde.

Das erweckte des Müllers Lebensmut und Hoffnung. Er bearbeitete den Bergmann solange, bis dieser ihm den Ort beschrieb, von wo sie gutes Wasser für Schloss und Stadt haben könnten. Und als er es erfahren hatte, sagte er dem Gerichtsdiener, er könne der Stadt einen großen Dienst leisten, wenn ihm das Leben geschenkt würde. Der Gerichtsdiener sagte es dem Bürgermeister und der beratschlagte mit dem gesamten Rat. Sie kamen zu dem Entschluss, sich den Vorschlag des Müllers anzuhören.

Und als sie hörten, dass sie für Stadt und Schloss Blankenburg Wasser bekommen könnten, begnadigten sie sofort den Müller und den Bergmann. Der Bergmann und der Müller schlugen nun einen Stollen in den Berg und bald hatte Blankenburg das schönste klare Wasser. Der Müller war nun frei und sorgte gut für die Hinterbliebenen seine Bruders. Aber ob es ein schönes Leben ist, mit dem Bewusstsein eines Mörders umherzulaufen, dass fragt sich noch.


gezeichnet von Lisa Berg

 
Sagen, Mythen und Legenden aus dem Harz, Bd. 1
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor + Zeichnungen)
Sagen, Mythen und Legenden - Band 1Mythen, Sagen und Legenden prägen den Harz wie kaum etwas anderes, wir begegnen ihnen auf Schritt und Tritt. Sie berichten von geschichtlichen Ereignissen oder einfach nur vom Leben der Menschen. Sie entstanden zu Zeiten, wo Schreiben und Lesen Adel und Kirche vorbehalten waren. Darum wurden sie mündlich überliefert, von Generation zu Generation.

Wir haben sie gesammelt, ihnen ein modernes Kleid geschneidert und sie farbig illustriert. Um sie zu erhalten und weiter zu überliefern, denn leider sind Erzählstunden nicht mehr all zu modern. Vielleicht gefallen ihnen ja unsere Harzer „Geschichten“ aus alter Zeit und sie erzählen sie ihren Kindern und Enkeln weiter?

Gebundene Ausgabe: 29,90 €
148 Seiten mit 59 farbigen Illustrationen

Taschenbuch: 14,99 €
148 Seiten mit 59 schwarz-weiß Illustrationen

 
 
   

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