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In Wasserleben lebten einst zwei Schwestern, von denen die eine reich und die andere arm war. Die letztere, mit Namen Armgard, arbeitete von früh bis spät, konnte es aber trotzdem zu nichts bringen. Ihre Schwester dagegen war zu Reichtum gekommen ohne zu arbeiten und ohne Fleiß und Mühe dafür aufzubringen. Einst fragte Armgard ihre Schwester: „Wie kommt es nur, dass es dir so gut geht und du immer reicher wirst?“. Die Schwester antwortete: „Ja, ich habe den Herrgott im Kasten!“. Sie hatte einst, bei einer Abendmahlsfeier, eine geweihte Hostie entwendet und bewahrte diese seitdem in einer Truhe auf.

Grafik von Lisa BergBald darauf war das Osterfest, Armgard ging zur Ostermesse und tat es ihrer Schwester am Tisch des Herrn gleich. Hinter dem Altar nahm sie schnell das geweihte Brot, das ihr der Priester gereicht hatte, aus dem Mund und verbarg es in einem Tuch. Dann, zu Hause angekommen, legte sie es in einen Kasten.

Als sie sich nach einiger Zeit ihren „Schatz“ einmal ansehen wollte, bemerkte sie, dass das Tuch ganz blutig war. Erschrocken zeigte sie ihrem Mann das vermeintliche Wunder und trug ihm auf, davon dem Priester zu berichten. Dieser meldete es dem Halberstädter Bischof und der ließ das Wunder in der Bischofsstadt verbreiten. Nun machte sich ein gewaltiger feierlicher Zug auf, um sich das Wasserlebener Wunder anzuschauen und zu verehren. So viele Leute sollen sich auf den Weg gemacht haben, dass die ersten schon in Wasserleben waren, während die letzten noch vor dem Halberstädter Dom standen. Als der Bischof nun der Hostie ansichtig wurde, kniete er nieder und legte sie samt dem Tüchlein in einen goldenen Kelch. Dann wollte er das bedeutende Heiligtum nach Halberstadt in den Dom bringen lassen.

In Heudeber wurde eine Rast eingelegt und der goldene Kelch wurde auf den Altar der Kirche gestellt. Nachdem man sich ausgeruht hatte, verschiedene Lieder gesungen worden waren und einige Gebete gesprochen worden waren, wollte der Bischof den Kelch wieder aufnehmen. Darin war aber das Blut unterdessen so angeschwollen, das es über den Rand des Kelches zu quellen drohte. Da sprach der weise Dompropst Zemeke: „Gott will, dass das heilige Blut an der Stätte verbleibt, wo er das Wunder hat geschehen lassen!“. Da wurde der Kelch samt Hostie nach Wasserleben zurückgebracht und das heilige Blut verrichtete fortan viele Wunder. Von dem Geld, das die vielen Gläubigen opferten, konnte bald eine Heiligenblutkapelle erbaut werden. Später wurde dann nahe der Kapelle noch ein Nonnenkloster errichtet.

Der Zulauf der Gläubigen nach Wasserleben wurde aber immer größer. Da sprach der Dompropst Johannes Zemeke: „Das Wunder des Herrn ist zu anderem Gebrauch gedacht, als zu wüstem Zulauf der Leute.“. Um dem Unwesen ein Ende zu machen, veranlasste er einen Priester die Hostie zu essen. Dann wurde der goldene Kelch nach Halberstadt gebracht und in einen neuen Pfeiler des Domes eingemauert. Das Tuch wurde in viele Stücke zerteilt und in mehreren Kirchen verteilt.


gezeichnet von Lisa Berg

 
Sagen, Mythen und Legenden aus dem Harz, Bd. 4
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor + Zeichnungen)
Sagen, Mythen und Legenden - Band 4Unser vierter Band schließt nahtlos an die Sagen, Mythen und Legenden der drei vorherigen Bände an. Es ist schon erstaunlich, wie viele dieser literarischen Relikte die Zeit überdauert haben. Das zeugt davon, wie wichtig es den Menschen in alter Zeit war, diese „Geschichten“ für ihre Nachwelt zu erhalten. Heute, in unserem Informationszeitalter, ist es eher unüblich noch Geschichten zu erzählen oder vorzulesen. Daher sind viele der alten Überlieferungen auch weitgehend in Vergessenheit geraten. In diesem und den noch folgenden Bänden werden wir sie wieder zum Leben erwecken – natürlich wie gewohnt, mit wunderschönen Zeichnungen von Lisa Berg. Übrigens, zahlreiche dieser Harzer Sagen, Mythen und Legenden waren auch Inspiration für einige bekannte Volksmärchenautoren wie die Brüder Grimm, Ludwig Bechstein, Ernst Moritz Arndt und Hans Christian Andersen.
Gebundene Ausgabe: 29,99 €
144 Seiten mit 56 farbigen Illustrationen

Taschenbuch: 14,99 €
144 Seiten mit 56 schwarz-weiß Illustrationen

 
 
   

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