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Noch heute trotzt über Osterode einsam und verlassen eine mächtige Ruine, wie eh und je jedem Wetter. Die gewaltigen Mauern mit dem verfallenen Bergfried zeugen noch heute von der einst mächtigen Burg, die einst die ganze Region dominierte.

Dort wohnten in den Tagen von Karl dem Großen die Grafen von Osterode, die reich an Besitz, Ehre und Ansehen waren. Der letzte seines Geschlechts war der Ritter Burchard, der unermesslich reich war und weithin wegen seiner Gastfreundschaft geliebt und verehrt wurde. Burchard hatte keinen Erben, nur eine Tochter mit Namen Adelheid war ihm geschenkt worden. Die war wunderschön, hatte schneeweiße Haut, goldenes Haar und leuchtende Wangen; kein Wunder also, dass die Freier von nah und fern kamen und um sie warben. Der Vater ließ seiner geliebten Tochter völlige Freiheit und sprach: „Schenke dem Dein Herz, den Du liebst und der Deiner würdig ist!“ Doch unter all den ehrenhaften Rittern, die die Gastfreundschaft Burchards in Anspruch nahmen, war keiner der ihr Herz ansprach; alle waren ihr zu wild und wüst.

Die Zeit ging dahin und eines Tages erkrankte Ritter Burchard schwer und wurde aufs Sterbelager gezwungen. Er hatte keine Angst vor dem nahenden Tod, nur der Abschied von seiner geliebten Tochter fiel ihm schwer. Aber er fand Trost, seinen Liebling in guten Händen zu wissen, denn auf seinen ehrenwerten und rechtschaffenden Burgkaplan konnte er sich verlassen. So konnte er beruhigt und in Frieden sterben.
Groß und tief war die Trauer im Schloss nicht nur bei Adelheit und Kaplan Wenzel, auch die Knappen und Knechte trauerten sehr um ihren guten Herren. Da gelobten sie ihr schönes Edelfräulein und den Frommen Pater Wenzel nicht zu verlassen und beiden immer zur Seite zu stehen. Doch da ahnten sie nicht, wie bald sie ihr gegebenes Wort unter Beweis stellen mussten.

Unter den vielen, die um Adelheid warben und die sich auf Burg Osterode sehr wohl fühlten, war auch der hünenhafte Ritter Gerhard von der Harzburg. Der war von groben Sitten und Manieren, daher mochte die sanfte Adelheit ihn nicht. Auch hatte er es wohl mehr auf ihre Reichtümer abgesehen als auf ihr Herz. Einzig raufen, gewaltige Kannen Wein leeren und unflätig Krakeelen war sein Lebensinhalt. „Lieber will ich ins Kloster gehen, als ihm die Hand zum Ehebunde reichen“, sprach sie und hielt daran fest. Diese Antwort machte den wüsten Ritter sehr wütend und er gelobte mit einem fürchterlichen Eid, nicht eher zu ruhen, bis die Widerspenstige sich seinem Willen beugen werde. Dann ritt er von dannen.
Am späten Abend vor dem Osterfest erschien Ritter Gerhard mit einer großen Mannschaft vor der Burg Osterode. In ungestümer Weise ritt er vor das Burgtor und forderte Einlass. Der Torwächter aber hegte Bedenken wegen der großen Zahl der Gewappneten und ging zu seiner Herrin, um Ihr die Nachricht zu überbringen. Die gutherzige und arglose Adelheit aber hegte keinen bösen Verdacht und gab sogleich Befehl, das Tor zu öffnen und den Ritter samt seiner Knappen aufs Beste zu bewirten. Nur Pater Wenzel war nicht wohl und er äußerte seine Bedenken.

Kaum war die Mannschaft von Ritter Gerhard in der Burg und die Tore geschlossen, da fielen sie auf ein Zeichen über die Burgmänner her. Die griffen zu ihren Waffen und ein heißer Kampf entbrannte. Da stellte Adelheit Ritter Gerhard zur Rede und fragte ihn warum er auf so schändliche Weise das Gastrecht verletze. Er entgegnete ihr: „Dich will ich und die Burg und alle deine Reichtümer!“ In diesem Moment stellte sich Pater Wenzel in den Weg und sagte: „Zurück, Ritter Gerhart! Entweiht nicht die Stätte, die euch so oft Gastfreundschaft gewährt hat!“ „Ihr könnt euch eure Wort sparen!“ hohnlachte der grimmige Ritter und wollte den Pater mit Gewalt zur Seite drängen. „Bleibt stehen! Nur über mich gelangt ihr in die Gemächer der Burgherrin!“ schrie der Pater und hielt dem Ritter das Kruzifix entgegen. Da holte der gottlose Gesell mit seinem Schwert zu einem gewaltigen Hieb aus, zertrümmerte das Kreuz und streckte gleichzeitig den mutigen Kirchenmann nieder. Der sank tödlich getroffen nieder, fand aber noch die Worte: „Weil du deine verfluchte Hand gegen den Heiligen Gott erhoben hast, sollst du nicht davon kommen, ohne den Lohn für deine Schandtaten zu empfangen!“ Aber der gottlose Ritter schritt über den sterbenden hinweg und mit einem gewaltigen Fußtritt zersprengte er die Tür zu Adelheits Gemächern. Die trat ihm mit erhobenem Haupte entgegen. „Wage es nicht, deine Mörderhand an mich zu legen! Solltest du näher treten, so stürze ich mich in den Abgrund!“ Gleichzeitig schwang sie sich auf die Fensterbrüstung. Der ruchlose Harzburger aber lachte nur höhnisch und sprang auf Adelheit zu. Noch bevor er sie berühren konnte, stürzte sie sich mit dem Ausruf: „Ihr Heiligen, schützt mich!“ in die Tiefe.

In diesem Augenblick brach ein gewaltiger Sturm los. Der war so gewaltig, dass er die Burg in ihren Grundfesten erschütterte, dann stürzte sie ein und begrub alles Leben unter sich. So plötzlich wie er gekommen war, verschwand der Sturm auch wieder, nur die Trümmer, sie alles unter sich begraben hatten legten noch Zeugnis ab.

Adelheid aber wurde wie durch Gotteshand gerettet und wohnte von jenem Zeitpunkt an in einer prachtvollen Grotte am Fuße des Burgberges. Man sagt, dass sie jeden Ostermorgen erscheint. Daher nennt man sie such die Osterjungfrau. Sie ist dann immer in ein schneeweißes Gewand gehüllt und wandelt zur nahen Söse, um darin zu baden, wodurch sie immer schön und jung bleiben soll. Und wenn einer ohne Schuld in Not geraten ist, so erhält er von ihr reiche Geschenke.    


 

 
Sagen, Mythen und Legenden aus dem Harz, Bd. 5
Bernd Sternal (Autor), verschiedene Illustratoren

Dieser Band ist in Vorbereitung!

 
 
 
   

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