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In Lautenthal lebte einmal ein Junge, der hatte immer das letzte Wort. Naseweiß, das war der Name, den er sich auf Grund seines vorlauten Wesens errungen hatte.

„Nimm deine Schuhe besser in Acht“, warnte die Mutter ihren Jungen, der sich gerade fertig machte, um auf die Arbeit im Pochwerk zu gehen. „Ja, Mutter, aber wie soll ich das machen? Die Gesteinsbrocken liegen überall im Pochwerk auf der Erde, ich muss die ganze Schicht drauf rumtrampeln. Und barfuss dürfen wir nicht gehen, der Verletzungsgefahr wegen.“ „Na so ein Lamento“ schallte die Mutter. „Junge, wenn ich bloß wüsste, woher du dein loses Mundwerk hast?“ „Ein fauler Baum“ – lachte der Junge und wollte einen Bibelvers zitieren. Aber er hielt es für angeratener, Reißaus zu nehmen, denn seine Mutter hatte schon zu Ohrfeige ausgeholt. Also machte er sich auf den Weg zur Arbeit.

Grafik von Lisa BergDer Knabe war nicht bösartig, er hatte einfach nur ein loses Mundwerk. Und wer ihm da gegenüberstand – ob Pastor, Bergmeister, Pochsteiger oder auch Vater – war ihm egal. Naseweiß nannten sie ihn alle und wenn er nicht so fleißig und geschickt gewesen wäre, so hätte man ihn sicher schon längst aus dem Pochwerk gejagt. Aber der Junge war gut. Wo ein Schwacher Hilfe und Schutz brauchte, da war er und half uneigennützig. „Fehler hat ein Jeder“ sagte immer seine Mutter, „aber seine guten Eigenschaften überwiegen bei weitem“.
Pfeifend und singend sprang der Knabe dahin und die Tasche mit seiner Verpflegung sprang auf seinem Rücken hin und her. Noch war Zeit bis zum Schichtbeginn und die Innerste, der kleine Harzfluss, plätscherte all zu verlockend. Der Junge zog seine Schuhe und Strümpfe aus um seine Beine im frischen Nass zu baden. Das Wasser spülte über seine Füße, eine Forelle schwamm unmittelbar vorbei und ein Krebs saß auf dem Grund.

Hä, Hä, tönte es da plötzlich neben dem Pochjungen. Und als der sich umblickte, hatte ein Zwerglein seine Strümpfe und Schuhe angezogen und begann wie toll damit umher zu tanzen. Der lange Bart des Kleinen hatte sich am Schuh verhakt und zwickte ihn. Aber er bekam seinen Bart frei, pflückte Farnkraut, das am Ufer wuchs, malte damit Zeichen in die Luft und murmelte geheimnisvolle Worte. Und fort war er, nur der Fluss plätscherte noch und die Blätter rauschten.

„Bitte gib mir meine Schuhe wieder, meine Eltern sind arm und auch ich verdiene noch wenig“ rief der Knabe. „Schau, du kannst auch bitten!“ lachte die Zwergenstimme. „Ich dachte du könntest nur narren, necken und vorlaut sein.“ sprach der Zwerg weiter. „Na weißt du“ sprach der Knabe, „wenn ich an Mutters keifen denke, wenn ich barfuß nach Hause komme, da graut´s mich.“. „So, so“ lachte das Zwerglein, „ich fühle mich aber so wohl in deinen Schuhen, dass ich sie nicht mehr missen möchte. Weißt du, sicher findest du ein Paar andere Schuhe und auch ein Paar andere Strümpfe“ sagte der Zwerg und stapfte von dannen. Der Knabe fluchte und rannte dem Zwerg hinterher. Aber der Zwerg war wie vom Erdboden verschwunden, keine Spur, kein Laut. Traurig ging der Junge zurück und als er an dem Platz an der Innersten angekommen war, wo er sein Fußzeug abgelegt hatte, lagen da ein Paar Goldschuh und ein Paar Silberstrümpfe.

Der Junge nahm die Geschenke des Zwerges und ging eiligst nach Hause. Da hatte ihn seine Mutter nicht gescholten. Sie hatte ihm seine Sonntagsschuhe geholt und die weißwollenen Kirchenstrümpfe. Schnell machte sich der Junge dann auf zum Pochwerk. Dort angekommen, sagten die anderen Pochwerkjungen, dass er ausstaffiert sei wie ein Graf. Und dass sie sowas überhaupt nicht mögen und ihm als Lektion eine Tracht Prügel verpassen. Die hat der Junge angenommen und gedacht: „Heute mir, morgen Dir“. Wenn ein anderer künftig Schläge bekommt, werde ich ihm sicher nicht helfen, sondern höchstens mitmachen“.
Und dann er hat seine goldenen Schuhe und seine silbernen Strümpfe verkauft. Mit dem Geld hat er eine Ausbildung gemacht und ist Pochsteiger geworden und später sogar Bergmeister. Nie wieder musste er Not leiden! Aber einen Zwerg hat er auch nie wieder gesehen.  


gezeichnet von Lisa Berg

 
Sagen, Mythen und Legenden aus dem Harz, Bd. 2
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor + Zeichnungen)
Sagen, Mythen und Legenden - Band 2Mythen, Sagen und Legenden prägen den Harz wie kaum etwas anderes, wir begegnen ihnen auf Schritt und Tritt. Sie berichten von geschichtlichen Ereignissen oder einfach nur vom Leben der Menschen. Sie entstanden zu Zeiten, wo Schreiben und Lesen Adel und Kirche vorbehalten waren. Darum wurden sie mündlich überliefert, von Generation zu Generation.

Wir haben sie gesammelt, ihnen ein modernes Kleid geschneidert und sie farbig illustriert. Um sie zu erhalten und weiter zu überliefern, denn leider sind Erzählstunden nicht mehr all zu modern. Vielleicht gefallen ihnen ja unsere Harzer „Geschichten“ aus alter Zeit und sie erzählen sie ihren Kindern und Enkeln weiter?

Gebundene Ausgabe: 29,90 €
144 Seiten mit 42 farbigen Illustrationen

Taschenbuch: 14,99 €
144 Seiten mit 42 schwarz-weiß Illustrationen

 
 
 
   

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