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Es gab eine Zeit im Harz, als die Menschen noch mit den Zwergen lebten. Das war eine gute Zeit, die kleinen Waldgeister halfen und unterstützten die Menschen immer wenn es Not tat. Schade darum, heute ist es anders als damals, und das kam so!

Einst gab es einen Barbier in Sachsa, der war arm wie Hiob, listig wie Eulenspiegel und log wie Münchhausen. Immer wenn er in Schwierigkeiten war, ging er zu den Höhlen, in denen die Zwerge wohnten, rief nach den kleinen Berggeistern und erhielt was er begehrte.

Grafik von Lisa BergAber der Barbier hatte nicht nur die genannten Eigenschaften, ihm saß auch der Schalk im Nacken. Einmal barbierte er einen Zwerg und schnitt ihm den halben Bart weg. Der Kleine war zu Tode betrübt, konnte er doch nicht an dem großen Fest der kleinen Leute teilnehmen. Alle hätten sich über ihn lustig gemacht und ihn ausgelacht. Aber es ärgerte die Zwerge, dass der Barbier ihrem kleinen Bruder so einen Streich gespielt hatte, wo sie ihm doch immer hilfreich waren. Auch seine Frau schalt den Barbier, als er ihr seinen Streich erzählte. „Die lieben Zwerge!“ sagte sie. „Ei, ei, die haben uns so viel Gutes getan und werden es jetzt sicher nicht mehr tun!“.

Aber der Barbier konnte nicht feststellen, dass sich das Verhältnis zu den Zwergen geändert hatte. Nach wie vor war die geheime Pforte zu den Zwergen im Gebüsch hinterm Haus stets für ihn geöffnet.

Nun war einst eine große Hochzeit in Sachsa. Alle, die Rang und Namen hatten waren geladen, nur der Barbier nicht. Das ärgerte ihn mächtig, denn er feierte gern und gutes Essen und Trinken hatte er noch nie ausgeschlagen. Es kränkte ihn sehr, dass man ihm diese Ehre verweigerte. Er erzählte seinen Kummer jenem Zwerg, dem er damals den Streich gespielt hatte und der sagte gutmütig: „Hingehen kann ich nicht, denn ich habe anderes vor. So will ich dir meine Tarnkappe leihen und du kannst wenigstens ungesehen mitessen und trinken.“ Das Angebot nahm der Barbier gerne an, steckte die Tarnkappe gleich ein und bedankte sich zehnmal. „Mache ich doch gern“ sprach der Zwerg. „Da siehst du, dass ich nicht nachtragend bin.“ Vergnügt ging der Barbier nach Hause und fastete zwei Tage vor der Hochzeit, damit er richtig zulangen könne.

Hirsebrei und Schweinebraten war das erste Gericht, das aufgetragen wurde. Der Braten ging in die Runde und jeder Gast nahm sich ein Stück. Dann wurden die Schüsseln am unteren Ende der Tafel abgestellt. Da waren plötzlich tappelnde, kleine Füße zu hören. Die Hochzeitsgäste sahen sich an: „Die Zwerge!“. Stückchen für Stückchen vom Braten verschwand von der Platte.

Die Hochzeitsgäste sahen es, nickten und lächelten. Zwar waren die Zwerge nicht zu sehen, denn sie hatten ihre Tarnkappen auf um geschützt zu sein, doch jeder gönnte den lieben Kleinen das Festmahl.  
Aber was war denn das? Da verschwand Stück für Stück vom Tisch. Ruck zuck war der größte Braten alle und die Gäste fingen an sich zu graulen, dass können doch nicht die Zwerge sein. „Ist da etwa ein Gespenst dazwischen?“ fragten sie sich.  

„Jetzt ist’s Zeit“ wisperte da ein Zwerg dem anderen zu. Und die beiden nahmen dem unheimlichen Vielfraß die Tarnkappe vom Kopf. Alle Gäste saßen starr vor Staunen da, denn da saß der ungeladene Barbier auf dem Tisch und da der glaubte, noch immer unsichtbar zu sein, ließ er es sich weiter munden. Wie auf einen Befehl, stürzten jetzt alle männlichen Gäste auf den ungebetenen Gast, verprügelten in jämmerlich und setzten ihn vor die Tür.

Der Barbier soll eine Woche im Bett gelegen haben und die Sachsaer Männer liefen unrasiert umher. Als er aber wieder gesund war, schlich er zornig zur geheimen Zwergenhöhle, um den Kleinen den Marsch zu blasen. Aber die Zwergenhöhle war und blieb für immer verschwunden.

So war der erste Riss in die Freundschaft zwischen Zwergen und Menschen gekommen. Nörgeleien, Verunglimpfungen und Schikanen vieler Art kamen hinzu. So buken die Sachsaer das Brot mit viel Kümmel, obwohl sie genau wussten, dass die Zwerge das nicht vertrugen. Dann wieder ärgerten die Kinder die kleinen Gesellen. Oder Frauen, die hässliche Kinder bekommen hatten, behaupteten, die Zwerge hätten die Kinder vertauscht. Kurz – die Zwerge hatten viel Verdruss und beschlossen auszuwandern, in eine Gegend, wo die Menschen netter zu ihnen wären.

Aber die Zwerge meinten, für die lange frühere Eintracht, den Sachsaern noch Dank zu schulden. Und so ging der Zwergenkönig zum Bürgermeister und fragte ihn, was die Bürgerschaft als Abschiedsgeschenk lieber hätte, ein ewiges Bergwerk oder von jedem Zwerg einen Heller. Die Bürger berieten sich lange und fasten einen einhelligen Beschluss: von jedem Zwerg einen Heller. Das ließen sie dem Zwergenkönig mitteilen. Und der wiederum ließ ausrichten, die Bürgerschaft solle am nächsten Tage ein leeres Scheffelmaß auf den Markt stellen. Am nächsten Morgen kamen sie dann, in schier endloser Reihe, die Zwerglein von Sachsa, warfen jeder seinen Heller in den Scheffel und wanderten betrübt von dannen.

Seit dieser Zeit hat man in Sachsa und dem ganzen Harz, nie wieder einen Zwerg gesehen. Die neue, die moderne Zeit kam, mit seinen großen Maschinen, die die Berge durchwühlten. Und wären die Zwerge nicht schon fort gewesen, nun wären sie gewiss ausgewandert, denn das wäre ihnen viel zu unruhig gewesen.   


gezeichnet von Lisa Berg

 
Sagen, Mythen und Legenden aus dem Harz, Bd. 2
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor + Zeichnungen)
Sagen, Mythen und Legenden - Band 2Mythen, Sagen und Legenden prägen den Harz wie kaum etwas anderes, wir begegnen ihnen auf Schritt und Tritt. Sie berichten von geschichtlichen Ereignissen oder einfach nur vom Leben der Menschen. Sie entstanden zu Zeiten, wo Schreiben und Lesen Adel und Kirche vorbehalten waren. Darum wurden sie mündlich überliefert, von Generation zu Generation.

Wir haben sie gesammelt, ihnen ein modernes Kleid geschneidert und sie farbig illustriert. Um sie zu erhalten und weiter zu überliefern, denn leider sind Erzählstunden nicht mehr all zu modern. Vielleicht gefallen ihnen ja unsere Harzer „Geschichten“ aus alter Zeit und sie erzählen sie ihren Kindern und Enkeln weiter?

Gebundene Ausgabe: 29,90 €
144 Seiten mit 42 farbigen Illustrationen

Taschenbuch: 14,99 €
144 Seiten mit 42 schwarz-weiß Illustrationen

 
 
 
   

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