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Ein Kuhhirt war einst unterhalb des Harberges bei seiner Herde eingeschlafen. Er konnte auch genüsslich ruhen, denn er hatte einen treuen und sehr wachsamen Hund, der sich um die Herde kümmerte und dafür sorgte, dass kein Tier sich von der Herde entfernte.

Bei einem so treuen Gefährten konnte er auch in Ruhe träumen! Da hatte er auch einen wunderbaren Traum: Ein Zwerg stand plötzlich neben ihm. Er zeigte auf eine Vertiefung im Boden, die sich vor seinen Augen öffnete. Darin lagen viele glitzernde Goldstücke, aber so plötzlich wie sich die Vertiefung geöffnet hatte, schloss sie sich auch wieder. Dann zeigte der Zwerg in die Ferne, da stand ein großes Haus, mit Türmen und Erkern und einer Freitreppe.

Grafik von Lisa BergDer Zwerg sprach: „Präge dir dieses Haus in dein Gedächtnis ein und wenn du mir gelobst, auf dem freien Platz bei Wernigerode ein solches Haus bauen zu lassen, dann sind die Goldstücke die du gesehen hast dein.“. Natürlich versprach der Kuhhirt das mit Freuden.

Da holte der Zwerg Papier und Zeichenstift aus seiner umgehängten Tasche und machte eine Zeichnung von dem wohlgefälligen Haus. Diese reichte er dem Hirten uns sprach: „So soll es aussehen. Hältst du aber dein Wort nicht, wenn du das Gold in deinen Händen hast, so sollst du eines elenden Todes sterben.“. Dann war der Zwerg verschwunden.

Der Hirte erwachte, rieb sich die Augen und merkte, dass alles nur ein lebhafter Traum war. Als er mit seiner Herde aufbrechen will, sieht er auf der Erde ein Blatt Papier liegen. Er hebt es auf, faltet es auseinander und siehe – da war das Haus drauf gemalt, von dem er soeben geträumt hatte. Da dachte er, wo die Zeichnung lag, musste auch das Gold sein. Schnell grub er an der Stelle und richtig, als er ein Stück tief gegraben hatte, kam ein mächtiger Topf, gefüllt mit Goldstücken, zum Vorschein.

Nun war er ein reicher Mann. Als er das Gold in seine Hütte geschleppt hatte, ließ er einen Baumeister holen. Dem legte er die Zeichnung vor und fragte ihn, ob er genau so ein Haus bauen könne. Der Baumeister antwortete, dass er das könne und so wurde er beauftragt, dass Haus zu bauen. Sich selbst ließ der Hirt mit seinem treuen Hund zur Seite, für alle Zeiten verewigen.
Erst in späteren Jahren, nachdem der Hirt schon lange gestorben war, wurde das Haus zum Rathaus. Später ist um den Harberg kein Gold mehr gefunden worden.

Die Gütigen Zwerge, die es verschenkten wurden nie wieder gesehen. Sie wollten wohl mit der veränderten Welt nichts mehr zu tun haben und scheinen ausgewandert zu sein.


gezeichnet von Lisa Berg

 
Sagen, Mythen und Legenden aus dem Harz, Bd. 3
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor + Zeichnungen)
Sagen, Mythen und Legenden - Band 3Unser dritter Band „Sagen, Mythen und Legenden“ unternimmt, wie seine Vorgänger, eine literarische Reise quer durch die Harzregion. Auch diesmal wird wieder von den Menschen der Region, von geschichtlichen Ereignissen, von der vielschichtigen Landschaft und von unerklärlichen Ereignissen und Begegnungen erzählt. Wir möchten bei der Lektüre Ihre Phantasie noch mehr anregen, denn die ist bei Sagen ein unentbehrliches Instrument. Daher hat die Illustratorin, nach Möglichkeit, die jeweiligen Handlungsorte, seien es Gebäude, Felsformationen o.a. in den Illustrationen noch intensiver bildlich dargestellt. Lassen Sie sich erneut entführen in eine alte, längst vergangene Zeit und freuen Sie sich schon auf den nächsten Band.
Gebundene Ausgabe: 29,90 €
148 Seiten mit 47 farbigen Illustrationen

Taschenbuch: 14,99 €
148 Seiten mit 47 schwarz-weiß Illustrationen

 
 
   

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