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Titel

In Halberstadt lebte einmal eine arme, junge Dienstmagd. Die wurde von ihrer Herrschaft über Land geschickt, um eine Schuld zu bezahlen. Ihr Liebster begleitete sie noch bis zum Huy, musste aber zurück, weil noch viel Arbeit in seiner Werkstatt wartete. Aber am Abend wollte er seine Liebste an derselben Stelle erwarten.

Nun, allein im dunklen Huywald wurde ihr doch Angst und Bange. Da sah sie vor sich einen alten Mann gehen und dachte bei sich: „das ist gut, mit dem gehst du jetzt“. Und sie beschleunigte ihren Schritt, um den Alten einzuholen. Der fragte sie neugierig aus und  geschwätzig wie die Mädchen nun mal sind, erzählte sie ihm alles, was er wissen wollte. Und so wusste er nun auch, dass die Magd 200 Taler dabei hatte, um einen Müller zu bezahlen.  Von sich wollte der Alte aber nichts erzählen, als die Magd ihn fragte. Inzwischen waren sie vor dem Eingang einer Höhle angekommen und der Alte blieb stehen. Er setzte seinen Hut ab und siehe da, er nahm auch Haare und Bart ab. Da stand plötzlich ein stattlicher Mann vor der jungen Magd. Die begann zu zetern, dass es eine Sünde sei, wenn jemand seine Jugend verleugnet und sich alt und gebrechlich stelle. Da begann der Mann zu lachen und pfiff in die Höhle. Blitzschnell war die Magd von wild aussehenden Männern umringt. Die packten und fesselten sie und schleppten sie in die Höhle. Dann nahmen sie ihr das Geld ab. Die Magd lag auf der Erde in einer Höhlenecke, während die Räuber berieten, was mit ihr geschehen solle.

„Ist ein hübsches und robustes Mädel“ sagte der eine, „sie könnte unsere Hausarbeit tun, wenn wir unterwegs sind“. „Uns einen Verräter halten?“ rief ein Zweiter. „Abschlachten, Jungfernblut macht Kraft!“. Solche entsetzlichen Reden musste sich das Mädchen einige Zeit anhören. Dann trat der hervor, mit dem sie gekommen war und den seine Kumpane Daneil nannten. Und er sprach: „Wenn du dich fügen willst in alles, was ich befehle, keinem verrätst was du hörst und siehst und niemals zu einem sprechen willst außer zu mir und meinen Gesellen, so sollst du dein Leben behalten.“ Aus lauter Furcht ihr Leben zu verlieren, sagte sie zu allem ja und legte einen fürchterlichen Eid ab.

So war die Magd aus der Stadt nun in der Gewalt der Räuber. Sie musste alles sauber halten, musste kochen und backen, musste waschen und stopfen und sie hatte anfänglich große Angst. Die wich mit der Zeit, denn die Räuber waren nett zu ihr. Sie brachten ihr Geschmeide mit und prächtige Gewänder. Es gab immer das schönste Essen. Und sie hatte sich eine große Truhe zugelegt, in der sie die Goldstücke sammelte, die ihr die Räuber immer zuwarfen.

Einige Räuber, besonders Hauptmann Daneil, versuchten ihre Liebe zu gewinnen. Aber das Mädchen war ihrem Schatz treu und dachte nicht daran, eines Räubers Weib zu werden.
Mit der Zeit fiel ihr auf, dass es an den Felsen mitunter klingelte. Wenn die Räuber da waren, nahmen sie dann in Windeseile ihre Waffen und verschwanden. Und nach einer Weile kamen sie beladen mit reicher Beute zurück. Das Mädchen hatte die Neugier gepackt, sie wollte wissen was es mit dem Klingeln auf sich hatte.

Aber sie durfte die Höhle nicht verlassen. Da wurde sie freundlicher zu Daneil, dem Räuberhauptmann und lies ihn hoffen sein Weib zu werden, wenn er ihr mehr Freiheit gewährte. Sie leistete erneut einen Schwur und durfte sich dann allein im Huywald bewegen. Manchmal ging sie dann auf eine Anhöhe und schaute sehnsüchtig in die Ferne.

Einmal war sie auch auf der Anhöhe, als sie die Glocken an der Höhle hörte. Sie sah wie einige Reiter auf einem Waldwege dahin trabten. Plötzlich brachen die Räuber aus dem Dickicht und stürzten sich auf die Reiter. Es entbrannte ein erbitterter Kampf, in dem alle Reiter erschlagen wurden. Die Räuber nahmen dann alles was Wert hatte und verscharrten die Toten. Die Beute wurde dann in die Höhle gebracht.
Das Mädchen fand dem Gesehenen keine Ruhe mehr. Und auch das Geschmeide, die Kleider und das Gold betrachtete sie nur noch mit Entsetzen, klebte doch an jedem Stück Blut. Sie sann nur noch danach zu fliehen. Aber sie hatte einen Eid geleistet!

Es fiel ihr immer  schwerer, noch freundlich zu Daneil und seinen Gesellen zu sein. Und sie wusste nun auch, was es mit den Glöckchen an der Höhle auf sich hatte. Überall auf den Wegen im Wald waren im Umkreis von einer  Stunde Drähte gespannt, die bis zur Höhle führten. Wenn die berührt wurden, erklang das Schellen der Glöckchen.
Einmal brachten die Räuber wunderschöne Lederschuhe und einen Ballen feinsten Leders mit. „Oh weh“ seufzte sie, „ haben sie vielleicht meinen Schatz getötet?“, denn der war Schuster. Und am nächsten Tag fand sie in der Höhle seinen silbernen Ring. Da wich die Angst der Wut und dem Hass und sie sann auf Rache sobald sich eine Möglichkeit bieten würde.

Eines Tages waren Daneil und seine Kumpane verreist und nur ein kranker Räuber war zurückgeblieben. Als der nach einem Schlaftrunk von ihr fest schlief, rannte sie los, bis vor das Rathaus von Halberstadt. Dort angekommen postierte sie sich vor den Roland und klagte dem ihr Leid.  Sie hatte Angst sich den Menschen zu offenbaren, schließlich hatte sie einen Schwur geleistet. Aber der steinerne Roland konnte nichts weitersagen. Aber ihre Klage hörten die Ratsherren, die oben am offenen Fenster über dem Roland gestanden hatten. Und das Mädchen sprach abschließend: „ Ich streue Erbsen, den Weg entlang bis zur Räuberhöhle, hehrer Roland. Folge immer der Spur, damit du nicht an die Drähte kommst und die Glöckchen an der Höhle nicht schellen. Sonst wird es dir schlimm ergehen.“ 

Und schon enteilte das Mädchen. Die Ratsherren schickten ihr eine große Schar Landsknechte los um der Erbsenspur zu folgen. Die Räuber waren alle zu einem großen Raubzug unterwegs, nur Daneil befand sich noch in der Höhle. Der muss wohl die

herannahenden Landsknechte bemerkt haben, denn als die an der Höhle ankamen war die Höhle verbarrikadiert. Und sie war auch mit aller Gewalt nicht zu öffnen. Daneil, der Räuberhauptmann, saß in seiner Höhle und lachte. Da schütteten die Soldaten von oben viel Wasser in die Höhle. Aber das lief vorne wieder raus und das Hohngelächter von Daneil wurde immer lauter. Dann wurden riesige Kessel angefahren und gewaltige Mengen von Mehlbrei gekocht, den man dann von oben in die Höhle schüttete. Der Mehlbrei begann die Höhle zu füllen und der Räuber zu verstummen. Zuletzt erklang Wut- und Schmerzensgebrüll, bis alles verstummte.

Als man nach einiger Zeit die Höhle geöffnet hatte, lag Daneils Leichnam vor der Tür. Er war verbrannt und erstickt. Als die anderen Räuber zurückkehrten wurden sie überwältigt, gefesselt und gefangen und alle landeten am Galgen. Von dem Mädchen heißt es, sie war des Lebens müde und ging in ein Kloster.
Die Höhle am Huy, nahe dem Röderhof, gibt es noch heute. Und noch immer nennt man sie Daneilshöhle.


gezeichnet von Lisa Berg

 
Sagen, Mythen und Legenden aus dem Harz, Bd. 3
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor + Zeichnungen)
Sagen, Mythen und Legenden - Band 3Unser dritter Band „Sagen, Mythen und Legenden“ unternimmt, wie seine Vorgänger, eine literarische Reise quer durch die Harzregion. Auch diesmal wird wieder von den Menschen der Region, von geschichtlichen Ereignissen, von der vielschichtigen Landschaft und von unerklärlichen Ereignissen und Begegnungen erzählt. Wir möchten bei der Lektüre Ihre Phantasie noch mehr anregen, denn die ist bei Sagen ein unentbehrliches Instrument. Daher hat die Illustratorin, nach Möglichkeit, die jeweiligen Handlungsorte, seien es Gebäude, Felsformationen o.a. in den Illustrationen noch intensiver bildlich dargestellt. Lassen Sie sich erneut entführen in eine alte, längst vergangene Zeit und freuen Sie sich schon auf den nächsten Band.
Gebundene Ausgabe: 29,90 €
148 Seiten mit 47 farbigen Illustrationen

Taschenbuch: 14,99 €
148 Seiten mit 47 schwarz-weiß Illustrationen

 
 
   

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