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Um den Bau zahlreicher Kirchen im Harzgebiet ranken sich Sagen und Legenden. So auch um die Sangerhäuser St. Ulrichkirche, die das älteste Gebäude der Südharzer Stadt ist.

Grafik von Lisa BergGraf Ludwig von Schauenburg war Graf in Thüringen. Er genoss dort großes Ansehen, schrieb man ihm doch die Gründung der Wartburg zu. Das war aber zahlreichen Adligen ein Dorn im Auge, denn Volkslieblingen gegenüber musste man vorsichtig sein. Da wurde der Pfalzgraf Friedrich III. von Sachsen ermordet und schnell verdächtigte man Graf Ludwig des Mordes.

Es gab zwar keine vorzeigbaren Beweise, trotzdem wurde er von den Kaiserlichen auf einem Ritt zwischen Sangerhausen und Magdeburg festgenommen. Der Graf wurde dann auf die Burg Giebichenstein bei Halle verbracht, die einen gefürchteten Ruf hatte. Man sagte damals: „Wer da kommt nach Giebichstein, der kehrt selten wieder heim!“

Man sperrte Ludwig in ein dunkles, feuchtes Verließ, wo er auf seine Verhandlung wartete. Aber die fand nicht statt, er bekam nur mitgeteilt, dass er zum Tode verurteilt worden sei. Da begann der Graf Fluchtpläne zu schmieden. Es erschien ihm aber unmöglich, durch die starke Festung zu entkommen. Darum griff er zu einer List. Zuvor wies er seine getreuen an, nahe der Burg mit seinem schneeweißen Lieblingspferd „Schwan“ auf ihn zu warten.

Eine schwere Krankheit vortäuschend, bat er die Wachen um zahlreiche Kleidungsstücke, um sich so vor dem Schüttelfrost, der ihn befallen habe, zu schützen. Zuletzt warf er sich einen großen Mantel über und in einem unbeobachteten Moment stürzte er sich aus einem Burgfenster. Bewusst hatte er die Flussseite für seinen gewagten Sprung gewählt.

Die vielen Sachen milderten den Aufprall in die Saale erheblich, schnell streifte er den schweren Mantel ab und schwamm ans andere Ufer. Da wartete schon ein Getreuer mit seinem „Schwan“ auf ihn. In schnellem Ritt brachte der ihn nach Sangerhausen, wo Ludwig eine sichere Feste hatte.

Aus Dankbarkeit für seine glückliche Rettung stiftete Graf Ludwig eine Kirche, die er dem heiligen Ulrich widmete. Seit jenem Tag nannte man Graf Ludwig von Schauenburg „den Springer“. 


gezeichnet von Lisa Berg

 
Sagen, Mythen und Legenden aus dem Harz, Bd. 4
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor + Zeichnungen)
Sagen, Mythen und Legenden - Band 4Unser vierter Band schließt nahtlos an die Sagen, Mythen und Legenden der drei vorherigen Bände an. Es ist schon erstaunlich, wie viele dieser literarischen Relikte die Zeit überdauert haben. Das zeugt davon, wie wichtig es den Menschen in alter Zeit war, diese „Geschichten“ für ihre Nachwelt zu erhalten. Heute, in unserem Informationszeitalter, ist es eher unüblich noch Geschichten zu erzählen oder vorzulesen. Daher sind viele der alten Überlieferungen auch weitgehend in Vergessenheit geraten. In diesem und den noch folgenden Bänden werden wir sie wieder zum Leben erwecken – natürlich wie gewohnt, mit wunderschönen Zeichnungen von Lisa Berg. Übrigens, zahlreiche dieser Harzer Sagen, Mythen und Legenden waren auch Inspiration für einige bekannte Volksmärchenautoren wie die Brüder Grimm, Ludwig Bechstein, Ernst Moritz Arndt und Hans Christian Andersen.
Gebundene Ausgabe: 29,99 €
144 Seiten mit 56 farbigen Illustrationen

Taschenbuch: 14,99 €
144 Seiten mit 56 schwarz-weiß Illustrationen

 
 
   

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