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In keinem Dorf im Harz soll es so viele Wilddiebe gegeben haben wie in Benneckenstein.
Dort wohnte in alten Zeiten ein Förster, der ein schlechter Schütze war. Er hatte schon die Jägerei aufgeben wollen, als ihm der Teufel begegnete.

Grafik von Lisa BergWie der Teufel ihm geraten hatte, ging er am nächsten Sonntag in die Kirche, nahm das Abendmahl in Empfang, aber aß den Leib des Herrn nicht, sondern nahm ihn aus dem Mund.

Mit der Hostie in der Hand ging er in den Wald, nagelte diese an einen Baum und schoss dreimal in des Teufels Namen auf sie. Des Teufels Blut floss aus dem Leib des Herrn und im selben Moment wurde der Förster zum Freischütz des Teufels, dem jeder Schuss gelang, selbst wenn er in die Luft zielte.

Der Förster zeigte in lustiger Gesellschaft am Stammtisch gerne seine Kunst. Jeder konnte sich den Braten wünschen, den er wollte, ob Hirsch, Hase oder Auerhahn.

Dann ging er ans Fenster, schoss hinaus und sagte: „Es liegt vor der Tür!". Und verblüfft waren die Leute, glaubten sie ihm doch erst nicht, doch traten sie vor die Tür, so lag tatsächlich das gewünschte Wildbrett da. In seinem Revier allerdings hielt er Ordnung und die Holzknechte fürchteten ihn wie den Teufel selbst.

Einmal, als er zu viel getrunken hatte, erzählte er, wie er zum Freischütz wurde. Seine Freunde warnten ihn, solch einen gefährlichen Unfug zu treiben, doch der Förster konnte sich nicht beherrschen und die teuflische Wilderei nicht lassen. Als er alt wurde, bekam er es mit der Angst und er wollte sich freikaufen, indem er andere an den Teufel verkaufte. Wohl weckte er in vielen die Leidenschaft, heimlich auf die Jagd zu gehen und Wilddieb zu werden, auf den Leib des Herrn mochte aber keiner schießen.

Eines Nachts starb der Freischütz unter schrecklichen Schreien und seltsamen Umständen. Man fand seinen Hals umgedreht, ein sicheres Zeichen, dass der Teufel seine Seele geholt hatte.


gezeichnet von Lisa Berg

 
Sagen, Mythen und Legenden aus dem Harz, Bd. 1
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor + Zeichnungen)
Sagen, Mythen und Legenden - Band 1Mythen, Sagen und Legenden prägen den Harz wie kaum etwas anderes, wir begegnen ihnen auf Schritt und Tritt. Sie berichten von geschichtlichen Ereignissen oder einfach nur vom Leben der Menschen. Sie entstanden zu Zeiten, wo Schreiben und Lesen Adel und Kirche vorbehalten waren. Darum wurden sie mündlich überliefert, von Generation zu Generation.

Wir haben sie gesammelt, ihnen ein modernes Kleid geschneidert und sie farbig illustriert. Um sie zu erhalten und weiter zu überliefern, denn leider sind Erzählstunden nicht mehr all zu modern. Vielleicht gefallen ihnen ja unsere Harzer „Geschichten“ aus alter Zeit und sie erzählen sie ihren Kindern und Enkeln weiter?

Gebundene Ausgabe: 29,90 €
148 Seiten mit 59 farbigen Illustrationen

Taschenbuch: 14,99 €
148 Seiten mit 59 schwarz-weiß Illustrationen

 
 
   

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