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Schon vor sehr langer Zeit gab es in Klausthal eine Münzstätte. In der wurde aber schon lange Zeit nicht mehr geprägt, denn darin soll es nicht geheuer gewesen sein. Darum errichtete man die Münzstätten in Andreasberg und Wildemann, die recht berühmt wurden und deren Prägungen bis heute in Münzsammlungen sehr gefragt sind.

Grafik von Lisa BergAber warum nur wurden in der Klausthaler Münzstätte keine Münzen mehr geprägt? Weil keiner mehr den Mut hatte sich hinein zu wagen, denn laufend kam darin einer ums Leben.

Nachdem die Münze schon viele Jahre nicht mehr genutzt wurde, erhielt der Berghauptmann einmal Besuch von einem Jugendfreund. Im Gespräch, bei einem Glas Wein, kamen sie auch auf die Münzstätte zu sprechen und warum darin nicht mehr gearbeitet wurde. „Ach“, sagte da der Jugendfreund, „dass würde ich mir gern mal anschauen.“.

„Auf keinen Fall“ sagte der Berghauptmann, „du würdest dabei sicher auch dein Leben verlieren.“. Doch der Freund ließ sich nicht davon abbringen. Abends ging er allein in die Münzstätte. Am nächsten Morgen wurde er vom Berghauptmann, tot auf dem Hof liegend, gefunden. Sein Kopf war ab, den fand man in der Münze.

Einige Zeit später kam ein fremder Jäger nach Klausthal. Als er die Geschichte mit der Münzstätte hörte, äußerte er selbstherrlich, dass er sich weder vor Tod noch Teufel fürchte. Und er wollte in der Münzstätte schon richtig aufräumen, damit der Spuk ein Ende habe. Gesagt, getan und die Geschichte war zu Ende! Zumindest die seine, denn am nächsten Tag wurde er gevierteilt im Hofe der Münze gefunden.

Dann kam ein fremder Bergmann nach Klausthal, auch er hörte von den schrecklichen Begebenheiten in der Münze und auch er glaubte, der Rechte zu sein, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Die Leute in Klausthal lachten ihn aus, was ihn umso mehr anstachelte. Abends ließ er sich, schwer bewaffnet mit zwei Pistolen, mehreren Schwertern und Dolchen, in der Münze einschließen. Auch eine Bibel sowie einige Kerzen hatte er mitgenommen. Er wusste ganz genau, einschlafen durfte er nicht! Daher legte er sich seine Waffen griffbereit, zündete die Kerzen an und las in der Bibel. Da erschallten elf langsame Schläge der Kirchturmglocken, dann öffnete sich leise die Tür. Eine Gestalt kam herein und blieb neben ihm stehen. Der Bergmann aber ließ sich keine Angst anmerken und las weiter in der Bibel, obwohl sein Herz hörbar laut schlug. Da hockte sich der Geist neben ihn und sah ihm zu. Nach einiger Zeit schlug es vom Kirchturm zwölf, der Geist stand auf und verschwand. In der übrigen Nacht passierte nicht weiter! Genauso verging die zweite Nacht in der Münze.

Dem Bergmann aber wurde doch zunehmend bange. Darum und um sich selbst zu beruhigen, begann er am dritten Abend laut in der Bibel zu lesen. Wie auch die Abende zuvor, stand der Geist um elf vor ihm. Dem Bergmann war so unheimlich, dass er so laut er konnte las: „Tut Buße und lasst euch nicht vom Teufel verführen!“.

„Oh du gläubiges, glückliches Menschenkind!“ sprach plötzlich der Geist, „wie soll ich dir nur danken? Du hast mich erlöst! Der Teufel hielt mich schon in seinen Krallen. Dafür, dass du deinen Mut gefunden hast, sollen dich Gottes Engel begleiten und dir danken und ich hoffe sie werden sich auch meiner erbarmen. Damit du weißt, mit wem du es zu tun hast, ich bin der ehemalige Münzmeister. Ich habe die Menschen betrogen, das Silber und Gold fortgeschafft und mir am Ende das Leben genommen. Aber im Grab fand ich keine Ruhe! Du hast mich zu diesem Geständnis gebracht und mich erlöst. Darum will ich dich so reich machen, wie noch nie ein Mensch in Klausthal war. Komm mit mir!“.

Der Geist führte den Bergmann über den Hof in einen Schuppen und zeigte ihm in einer Ecke einen Stein. „Hebe diesen Stein hoch und du wirst unendliche Schätze darunter finden. Mich sieht keiner wieder, die Münze ist vom Fluch befreit.“ Dann war der Geist verschwunden und wurde nie wieder gesehen. Der Bergmann aber fand unter dem Stein viel Gold und Silber. Nun, da die Münzstätte vom Fluch befreit war, wurde sie auch wieder in Betrieb genommen.


gezeichnet von Lisa Berg

 
Sagen, Mythen und Legenden aus dem Harz, Bd. 4
Bernd Sternal (Autor), Lisa Berg (Autor + Zeichnungen)
Sagen, Mythen und Legenden - Band 4Unser vierter Band schließt nahtlos an die Sagen, Mythen und Legenden der drei vorherigen Bände an. Es ist schon erstaunlich, wie viele dieser literarischen Relikte die Zeit überdauert haben. Das zeugt davon, wie wichtig es den Menschen in alter Zeit war, diese „Geschichten“ für ihre Nachwelt zu erhalten. Heute, in unserem Informationszeitalter, ist es eher unüblich noch Geschichten zu erzählen oder vorzulesen. Daher sind viele der alten Überlieferungen auch weitgehend in Vergessenheit geraten. In diesem und den noch folgenden Bänden werden wir sie wieder zum Leben erwecken – natürlich wie gewohnt, mit wunderschönen Zeichnungen von Lisa Berg. Übrigens, zahlreiche dieser Harzer Sagen, Mythen und Legenden waren auch Inspiration für einige bekannte Volksmärchenautoren wie die Brüder Grimm, Ludwig Bechstein, Ernst Moritz Arndt und Hans Christian Andersen.
Gebundene Ausgabe: 29,99 €
144 Seiten mit 56 farbigen Illustrationen

Taschenbuch: 14,99 €
144 Seiten mit 56 schwarz-weiß Illustrationen

 
 
   

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