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Der Harz war über viele Jahrhunderte vom Bergbau geprägt, der Grundstein für viele Ansiedelungen im Gebirge war und den Reichtum der Region, insbesondere im Hochmittelalter, begründete. Dieser Reichtum war auch Grundlage dafür, dass die Harzregion im 10. und 11. Jahrhundert der Mittelpunkt des noch  jungen deutschen Reiches (HRR) war.

Kein Wunder also, dass sich im Harz in Form von Bergmannssagen eine eigenständige Erscheinungsform herausbildete. Zu diesen Bergmannssagen zählt man im Allgemeinen auch die sogenannten „Venedigersagen“. Als Sagen werden kurze Erzählungen bezeichnet, die einen wahren Kern in einen fantastischen, zum Teil unglaubhaften Mantel einhüllt.

Das fremdländische Männer in den Harz gekommen sind, um hier ihren geheimnisvollen Tätigkeiten nachzugehen ist heute unstrittig. Eine Vielzahl von Sagen, Mythen und Legenden berichten von diesen geheimnisvollen Fremden, die über einen langen Zeitraum, aber insbesondere vom 16. bis ins 18.Jahrhundert, in den Harz kamen. Dort sollen sie nach Gold, Silber und Edelsteinen gesucht haben. Von den Einheimischen wurden diese Fremden, die zum Großteil dunkelhäutiger und dunkelhaariger als die Einheimischen gewesen sein sollen, Venediger, Venezianer, Wallonen, Brabanter, Mailänder oder Modenser genannt. Auch als wallende Leute oder als Zigeuner wurden sie bezeichnet. Aber woher wussten die Einheimischen, woher diese Fremden kamen? Mir ist keine geschichtliche Quelle bekannt, in der Namen und Herkunft eines dieser Fremden genannt wurde. Also müssen die Fremden den Harzern erzählt haben, woher sie kamen! Schließlich nahmen sie zu einigen Harzern Kontakt auf, denn sie brauchten deren Hilfe für ihr geheimnisvolles Tun. Da zu jenen Zeiten schon Bergrecht bestand und diese Rechte die entsprechenden Landesherren innehatten, war es nicht ohne Risiko für die Harzer, den Fremden behilflich zu sein und auch für die Fremden war es nicht ungefährlich. Also bezahlten sie ihre einheimischen Gehilfen gut und erkauften sich wohl auch deren Schweigen. Sicher haben die Fremden, denen das Risiko sicher bewusst war- warum sonst diese Heimlichkeit- den unwissenden Harzern auch unheimliche Geschichten erzählt, die den Leuten Angst machten. Das „geheimnisvolle“ Wissen dieser Fremden um Erze und Minerale, ihr fremdländisches Auftreten und die Großzügigkeit der Entlohnung, und sicher auch die Geschichten, die den Harzern erzählt wurden, bildeten den Grundstock für die „Venedigersagen“.

In der Harzliteratur sowie in der Literatur anderer deutscher Mittelgebirge, wurde natürlich auch über diese Fremden berichtet, man gewinnt aber den Eindruck, dass die Autoren ihre Informationen auch nur vom „Hören und Sagen“ hatten.

Früher war man der Auffassung, dass diese Fremdlinge geheimes Wissen und mystische Begabungen hatten, um im Harz Gold, Silber und Edelsteine zu finden und dieses dann heimlich wegschafften. In der Neuzeit brachten aber die geologischen Wissenschaften sichere Erkenntnisse: Im Harz gibt es keine nennenswerten Goldvorkommen, Silber in reiner Form kommt auch nicht vor und selbst Edelsteine sind nicht zu finden. Das Harzer Silber, besonders des Mittelalters, wurde in aufwendigen Schmelzverfahren vorrangig aus Bleiglanz gewonnen. Bleiglanz hat aber nur einen Silbergehalt von maximal 1 Prozent, womit es auszuschließen ist, dass die Fremden Silbererz mit in ihre Heimat nahmen.

Was aber machten sie dann, so heimlich im Harz, diese Venediger? Schließlich waren sie keine Fantasieprodukte, es waren Menschen aus Fleisch und Blut, wenn auch fremdländische. Dass sie anwesend waren, lässt sich auch nicht verleugnen, denn sie hinterließen an zahlreichen Stellen ihre Spuren. Leider sind davon nur noch wenige in die heutige Zeit überkommen, genannt sei als Beispiel der Venedigerstein bei Schierke. Diese alten Spuren sind aber von den alten Harzer Chronisten wie: H. Pröhle, Fr. v. Sydow, A. Ritter, AK Schröder, R.L. Honemann, W. Grosse; C.G. Lehmann, und vielen anderen schriftlich festgehalten und zum Teil auch bildlich dargestellt und somit der Nachwelt überliefert worden. Es waren Figuren, Zeichen und Symbole, die von Unbekannten in Felsen und Felswände geschlagen und geritzt wurden. Da die Fremden insbesondere in Stein gehauene Mönchsfiguren hinterließen, kann daraus vielleicht auch die in der Harzer Sagenwelt vielfach benutzte Gestalt des Bergmönches abgeleitet werden.

Was aber taten diese südländischen Fremden hier in aller Heimlichkeit, wenn Gold, Silber und Edelsteine nicht zu finden waren? In der Neuzeit folgte die Theorie, dass die „Venediger“ nach sogenannten Glasmacherseifen suchten und diese in ihre Heimat schafften. Venedig war seit dem Hochmittelalter für seine Glasmacherkunst bekannt, die sich auf der Insel Murano angesiedelt hatten. Glasmacher und –verarbeiter brauchten diese Glasmacherseifen, um ihr Glas zu entfärben und sie brauchten vielfältige Farben, um ihr Glas einzufärben. Zum Entfärben und Einfärben wurden die verschiedensten Metalloxide genutzt, wovon einige auch im Harz zu finden waren. Besonders das Manganoxid spielte in dieser Annahme eine bedeutende Rolle, da es in kleineren Mengen zu Entfärbung des Glases von den gelb-grünen Verfärbungen der Eisensilikate genutzt wurde. Aber derartige Rohstoffe nur im Wandergepäck über die Alpen zu schaffen klingt mehr als fragwürdig. Zumal die größten Manganoxidvorkommen in der Region Ilfeld zu verzeichnen waren, von dort aber keine Überlieferungen von Venedigern bekannt sind.

Daher geht die moderne Wissenschaft der Montanarchäologie davon aus, dass diese südländischen Fremden nur zum Prospektieren in den Harz gekommen waren, ihre Fundstellen mit entsprechenden Zeichen versehen haben und mit kleinen Proben wieder in die Heimat gezogen sind. Nicht auszuschließen ist nach meiner Auffassung auch die Suche nach Silikat-Mineralen wie Feldspate. Die treten im Harz in verschiedensten Typen im magmatischen Gestein auf und werden auf Grund ihrer Kristallstruktur und ihrer Farbenvielfalt bei entsprechender Qualität seit alters her als Schmucksteine verwendet. Da sie oftmals nicht augenscheinlich von echten Edelsteinen zu unterscheiden sind, wurden sie als  Edelsteinplagiate eingesetzt. Solche Feldspatkristalle waren für die Fremden transportabel und stellten auch in kleineren Mengen erhebliche Werte dar.

Nicht zu verwechseln mit den „Venedigern“ sind die ihnen folgenden Kuxgänger. Die Sagen und Legenden um die fremdländischen Venediger werden sich wohl weit verbreitet haben und lockten bald Schatzsucher an, die aber nur mangelnde mineralogische und geologische Kenntnisse hatten, aber meinten, an den geheimen Stellen der Venediger reiche Erzfunde zu machen. Es wird heute davon ausgegangen, dass von diesen Kuxgängern auch die noch erhaltenen Harzer Walenbücher stammen. Nach wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit diesen Walenbüchern kann davon ausgegangen werden, dass deren Verfasser mit viel Fantasie aber wenig fachlicher Substanz ihre Aufzeichnungen anfertigten. Selbst Betrügereien werden nicht ausgeschlossen, um mit diesen Fantasiebeschreibungen Kasse zu machen. Ganz im Gegenteil zu den erstaunlichen Kenntnissen und Fähigkeiten der Venediger – die wussten genau was sie taten -  leider haben sie es uns aber nicht überliefert. Vielleicht könnten ja histografische Forschungen in Venedig oder Murano Licht ins Dunkel dieser geheimnisumwitterten Fremden bringen – wer weiß?


 

 
Sagen, Mythen und Legenden aus dem Harz, Bd. 5
Bernd Sternal (Autor), verschiedene Illustratoren

Dieser Band ist in Vorbereitung!

 
 
 
   

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